HERBERT LIPPERT - Der Klang der Farbe

In der Ausstellung „Der Klang der Farbe“, stehen Abstraktion und Figuration in einem bewussten künstlerischen Dialog. Zahlreiche österreichische Komponisten widmen dem Künstler Werke, die er nicht nur interpretiert, sondern auch malerisch reflektiert. Zu jeder musikalischen Komposition entstehen zwei Bilder – eines abstrakt und eines figurativ. Jedes Werk versteht sich dabei als visuelle Entsprechung von Musik. Während des Malprozesses begleitet ihn bevorzugt die Musik von Johann Sebastian Bach. Dessen Kompositionen verleihen ihm innere Ruhe und Freiheit. „Ich weiß im Prinzip schon, was ich male – aber ich brauche Musik, um es zu malen“, beschreibt Lippert diesen schöpferischen Prozess. Zu jedem Motiv entwickelt er eine abstrakte sowie eine figurative, teils postimpressionistisch anmutende Version. Beide Fassungen sind meist durch eine gemeinsame Farbigkeit miteinander verbunden und treten in einen Dialog. Charakteristisch ist die bewusste Reduktion auf eine dominante Farbe, die in unterschiedlichen Nuancen variiert wird. Diese Konzentration auf eine chromatische Grundstimmung intensiviert die Expressivität und verstärkt den rhythmischen Charakter der Kompositionen. In den abstrakten Arbeiten erscheinen die farbigen Formen häufig vor weißem Hintergrund, wodurch eine besondere Leuchtkraft, Dynamik und emotionale Intensität entsteht. Herbert Lippert arbeitet überwiegend in Öl auf Leinwand. Die Ausstellung umfasst sowohl großformatige Werke im Format von 140 x 200 cm als auch kleinere Arbeiten mit 120 × 80 cm. Ergänzt wird die Werkpräsentation durch Ölblätter in der Größe 70 × 50 cm.
Kammersänger, Tenor und Maler – Herbert Lipperts herausragende und international anerkannte Karriere in der Musikwelt ist weithin bekannt. Weniger im öffentlichen Bewusstsein steht jedoch seine Tätigkeit als bildender Künstler, die sein Schaffen seit jeher begleitet. Bereits in seiner Kindheit zeigte sich seine ausgeprägte Begabung für die Malerei. Neben seinem Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst absolvierte er auch eine künstlerische Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste Wien in den Meisterklassen von Adolf Frohner und Oswald Oberhuber. Die Malerei war für ihn nie bloß ein Nebenfeld, sondern stets eine stille, konstante Begleiterin seiner musikalischen Laufbahn. Wie er in einem ORF-Interview erzählte, führte ihn auf Reisen zu Konzerten immer auch ein Aquarellblock im Gepäck. Heute jedoch steht die bildende Kunst gleichberechtigt, wenn nicht sogar im Zentrum seines künstlerischen Ausdrucks.
Im Jahr 2017 realisierte Lippert seine erste Ausstellung in der Wiener Staatsoper, im Gustav-Mahler-Saal. Dort verband er Gesang und Malerei auf eindrucksvolle Weise: Mit seiner Interpretation von Franz Schuberts „Winterreise“ und 24 eigens geschaffenen Ölgemälden entstand eine vielschichtige Synthese von Klang und Bild – eine künstlerische Annäherung an den Liederzyklus, die Musik und Malerei zu einer ganzheitlichen Erfahrung verschmelzen ließ. Die Verbindung beider Disziplinen eröffnete dem Künstler eine neue kreative Dimension. Gesang und Malerei treten bei ihm nicht nebeneinander auf, sondern inspirieren und durchdringen einander. Wie er selbst formuliert: „Gesang und Malerei sind für mich zwei Ausdrucksformen, die es mir ermöglichen, meine Kreativität und Emotionen auf einzigartige Weise zu verbinden. Mit Musik im Kopf zu malen und gleichzeitig meine Stimme zu verschiedenen Kompositionen zu erheben, lässt beide Künste zu einer ganzheitlichen Erfahrung verschmelzen.“
„Der Klang der Farbe“ zeigt eindrucksvoll, wie Musik und Malerei in Lipperts Werk nicht als getrennte Disziplinen existieren, sondern als zwei gleichwertige Stimmen eines künstlerischen Gesamtausdrucks.