Dieses prachtvolle Werk von Pauline Koudelka-Schmerling zeigt die Künstlerin als hervorragende Protagonistin des Stilllebens im Wiener Biedermeier. Der überaus reiche Obstkorb mit Weintrauben und einer Ananas in der Mitte des Bildes wird im Schatten einer Nische sichtbar. Davor befindet sich ein weiterer Korb mit Pfirsichen und lose angeordneten Weintrauben. Bei der Komposition der zahlreichen Traubensorten, in den verschiedensten Farben, folgte die Malerin der eigenen Phantasie und den tradierten gattungsspezifischen Richtlinien einer möglichst dekorativen und prunkvollen Wirkung.
Zunächst Schülerin von Franz Xaver Petter wurde Pauline Koudelka auch von Ferdinand Georg Waldmüller unterrichtet, der sie im hohen Grad der naturgetreuen Wiedergabe der Pflanzen vorbildhaft beeinflußte. Die außerordentliche Qualität in der Darstellung der Stofflichkeit, der unterschiedlichen Beschaffenheit der Oberflächen sowie das differenzierte Farbempfinden verweisen ebenfalls auf Waldmüller. Charakteristisch für die Malerin ist die einfühlsame Darstellungsweise der vegetabilen Detailformen.
Die damals 30jährige Malerin bewegte sich im elitären, geistigen Milieu ihrer Zeit, zu welchem damals auch bedeutsame literarische Zirkeln und Wissenschaftler Zugang hatten. Pauline Koudelka, die auch nach ihrer Heirat nur mit ihrem Vornamen signierte, stammte aus einer kunstsinnigen Familie eines höheren Militärs und heiratete 1835 den Staatsmann Anton Ritter von Schmerling (1805-1893). Bereits 1833 hatte sie Kontakt zu Josef von Hammer-Purgstall (1774-1856), für dessen Gedichtband sie Umschlagzeichnungen schuf. Der bedeutende Orientforscher hatte bereits 1809 eine Schrift über die orientalische Blumensprache, welche auf die Entwicklung der Blumensymbolik wesentlichen Einfluß hatte, veröffentlicht. Er erwähnte die jung verstorbene Malerin in seinen Lebenserinnerungen 1774-1852. Auch die Dichterin Caroline Pichler, die 1835 einen Gedichtband aus Anlaß der Vermählung Paulines herausgab, beschäftigte sich in ihren Schriften mit der geistlichen Blumenmetapher, in welchen der Himmel als herrlicher Blumengarten bezeichnet wurde.