Eis, 2000
Öl auf Leinwand
150 x 170 cm

Warum malen, wenn es die Wirklichkeit als Abbild in der Fotografie bereits gibt? Ditsch geht in die Berge, sucht sich seine Motive in situ, arrangiert sie gleichsam vor der Linse. Die Gebirge und Täler, Schluchten und Wälder seiner Gemälde zieht Ditsch von der Fotovorlage ab; jedoch nicht um mimetische Nachahmung geht es hier, sondern eindeutig um die Kreation einer neuen „Bild-Wirklichkeit“. Ditschs Bilder beziehen sich zwar auf die „Wirklichkeit Foto“, transponieren sie jedoch eindeutig in Malerei. Dabei kommt es auf die topographische Genauigkeit nicht mehr an: So präzise sich eine Gesamtansicht - aus entsprechender Distanz - ergibt, so unscharf wird Ditsch im Detail, eine Unschärfe, die sich durchaus als malerische Aussage liest. Hinzu treten die eigenwilligen Farbakkorde, die förmlich in die Bilder brechen: irisierendes Türkis zu Azurblau, gleißendes Weiß zu tiefem Grau. In Ditschs Gebirgsansichten findet ein Prozeß statt, den man auch als Re-Auratisierung beschreiben kann, als Schaffung einer Aura, die das Foto nicht enthält. Darin kann man auch einen Rekurs auf den Status der Originalität und Unverwechselbarkeit des Kunstwerks erlesen.
Warum gerade Gebirgspanoramen? Ein Genre, das geradezu gesättigt ist mit kultureller Tradition. Natürlich, die Vorliebe des Bergsteigers Ditsch für das Thema liest sich auch biographisch. Doch es geht um mehr. Es geht um die Herausforderung, sich eines über(re)produzierten Klischees anzunehmen. Dabei entschlägt sich Ditsch nicht der Ästhetik des Erhabenen: Monumentalität, forcierte Perspektivabläufe, dramatische Licht-Schattenwechsel verleihen den Kompositionen etwas Unwirkliches, ja Idealistisches. Ditsch verfügt über das „Abbild“, lädt es mit einer Bedeutung auf, die jenseits des Sichtbaren liegt. Diese Bedeutung greift aus ins Magische, in eine Dimension, in der das naheliegende déjà-vu ins Begehren nach dem Noch-Nicht-Erblickten umschlägt.

Ingried Brugger


GALERIE EDITION AUKTION CONTEMPORARY